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Too big to fail: Warum sich systemrelevante Banken alles erlauben können (und es auch tun)

Du hörst und liest es fast täglich in den Medien. Wieder wurden ein paar bequeme und flauschige Milliardenpolster für systemrelevante Banken in Notlage beschlossen. Kommt es dir auch so vor, als ob eine Bank nach der anderen vom Staat gerettet werden muss? Vor ein paar Jahren wärst du bei Problemen großer Banken noch panisch zum Geldautomaten gerannt und hättest dein Kopfkissen mit deinen letzten Reserven vollgestopft. Heute sind solche Nachrichten völlig normal.

Bankenrettungen sind langweilig geworden, weil sich große Banken sicher fühlen können. Selbst bei einem defekten Dachziegel werden sie von EU und Staat unterstützt.

Aber warum müssen große Banken eigentlich vom Staat gerettet werden? Jeder spricht von „Systemrelevanz“ und „too big to fail“. Aber was bedeutet das? Welche Bank ist systemrelevant, welche nicht?

Der erste Fall von „Too big to fail“ war keine Bank sondern eine Stadt


Alles begann in einer kleinen unbedeutenden Stadt in den USA, die keine Sau kannte. Unter den Einwohnern war sie auch als „New York“ bekannt.

So klein und unbeliebt die Stadt auch war, New York hatte seine Vorteile. Es gab z.B. eine Börse, an der die Einwohner regelmäßig ihrem Zockertrieb ausleben konnten. Das kribbelte sowieso viel mehr, als langweilige Altersvorsorge.

Wir schreiben das Jahr 1914 und New York ging es nicht gut.

Man war noch kein so großer Apfel, hatte aber dafür jede Menge Schulden. Das Geld wurde eines Tages sogar so knapp, dass die Börse nicht mal mehr öffnen konnte.

Warum aber waren die New Yorker eigentlich pleite?

Heute kann man sich an den wahren Grund nicht mehr erinnern. Eine Erklärung könnte sein, dass übermäßiger Coffee to go-Genuss auch damals schon seinen Preis hatte. 🙂

Aber Moment!

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn eine Stadt pleite ist? Dann kann sie halt ihre Schulden nicht zurückzahlen. Na und?

Stell dir vor, du leihst einem Freund Geld und du siehst es nie wieder


Würdest du ihm jemals wieder Geld leihen? Würdest du überhaupt noch einmal Geld an jemanden verleihen?

Wahrscheinlich nicht.

Auch New York würde niemand mehr Geld leihen, wenn die Stadt einmal ihre Schulden nicht zurückgezahlt hat.

Kann eine Stadt ihre Schulden nicht zurückzahlen, könnten es vielleicht auch andere Städte nicht. Jeder hätte Angst, dass er sein verliehenes Geld nicht mehr zurückbekommt.

Keiner würde den Städten mehr Geld leihen. Vielleicht würde sogar niemand mehr den Bundesstaaten oder dem ganzen Land Geld leihen.

Ein Horrorszenario! Ohne Geld würde in den Städten alles zusammenbrechen…

Es gab nur einen Weg das zu verhindern: New York musste gerettet werden! Und mit der Rettung New Yorks war der erste Fall in der Geschichte von „too big to fail“ geboren.

Ob eine Bank systemrelevant ist, hängt von der Größe des Kraters ab wenn sie explodiert


Wann ist denn jetzt eigentlich eine Bank systemrelevant? Schauen wir mal, was die oberste aller deutschen Banken dazu sagt: die Bundesbank.

Eine Bank gilt als global systemrelevant, wenn durch bei ihr auftretende Schwierigkeiten bzw. ihren Zusammenbruch das Funktionieren des globalen Finanzsystems und der Realwirtschaft gravierend beeinträchtigt würde.

Erstens: Langweilig! Zweitens: Hä? Was soll das heißen?

Ich erkläre es dir…

Kennst du Kartenhäuser? Weißt du was passiert, wenn du eine Karte aus der ersten Reihe heraus ziehst? Gut, denn diese Karte war systemrelevant.

Systemrelevante Banken sind die unteren Karten in einem Kartenhaus. Ohne sie würde das Kartenhaus zusammenkrachen. Nimmst du eine Karte ganz oben weg, passiert nicht viel. Aber die unteren Karten sind die wichtigsten.

Viele Banken möchten gerne in der untersten Reihe stehen aber nur wenige schaffen das.

Systemrelevante Banken sind too big to fail, weil keine Sau bei ihren Geschäften durchblickt


Der Unterschied zur Dorfsparkasse von nebenan ist, dass systemrelevante Banken ihre kleinen Finanz-Fingerchen bei Geschäften auf der ganzen Welt im Spiel haben.

Systemrelevante Banken verleihen Geld, führen Konten, tätigen Investitionen, finanzieren Unternehmen und sogar ganze Staaten im großen Stil.

Sie geben sich nicht mit dem Ratenkredit für Nachbar Müller oder die Baufinanzierung von Familie Schulz zufrieden.

Systemrelevante Banken wollen mehr… viel mehr.

Wäre eine systemrelevante Bank von heute auf morgen weg, würden viele Unternehmen, Kunden und Staaten plötzlich ohne Geld dastehen.

Das wäre aber noch nicht mal das Schlimmste. Besonders gefährlich ist es, wenn die großen Banken merken, dass etwas mit einer von ihnen nicht in Ordnung ist.

Wenn sich systemrelevante Banken untereinander nicht mehr vertrauen, hat das gefährliche Auswirkungen


Wie in der Finanzwelt üblich, ist sich jeder selbst am Nächsten.

Geht es einer systemrelevanten Bank nicht gut, könnten die anderen Banken denken, dass noch weitere Finanzinstitute in Not geraten werden.

Das kannst du dir wie eine Grippe vorstellen.

Ist sie bei einem Kollegen ausgebrochen, fasst du ihn nicht mehr an. Du meidest ihn. Er kommt in eine Ecke und die Tür wird hinter ihm zugeschlossen. Aber wenn du ihn wegschließt, kann er nicht mehr arbeiten. Wenn nur ein Kollege ausfällt, ist das kein Problem. Die anderen arbeiten einfach etwas mehr. Fallen aber alle Kollegen auf einmal aus, ist das ein großes Problem.

Das gleiche würde passieren, wenn es einer systemrelevanten Bank nicht mehr gut geht.

Die übrigen Banken würden sich nicht mehr vertrauen. Sie würden keine Geschäfte mehr miteinander machen und hätten Angst sich bei der „kranken“ Bank anzustecken.

Was passiert, wenn systemrelevante Banken plötzlich verschwinden, hast du das letzte Mal bei Lehman Brothers gesehen.

Du erinnerst dich?

Eine der größten Investmentbanken der USA war von heute auf morgen nicht mehr da. Das weltweite Finanzsystem wäre fast den Bach runtergegangen

Systemrelevant zu sein hat aber auch Vorteile


Kennst du noch Videospiele?

Weißt du noch wie es war, wenn du gestorben bist und den letzten Spielstand immer wieder neu Laden konntest? Dann weißt du auch wie es systemrelevante Banken geht.

Ist eine Bank systemrelevant, kann jeder 15 Uhr Schluss machen, sich schön zurücklehnen und den Praktikanten die Arbeit machen lassen.

Der Grund ist ganz einfach:

Gerät eine systemrelevante Bank in eine Notlage, wird sie wahrscheinlich vom Staat gerettet.

So einen „Spaß“ wie in der letzten Finanzkrise möchte nämlich keiner nochmal mitmachen.

Als „too big to fail“ hat eine systemrelevante Bank etwas mehr Verantwortung als andere Banken


Je größer und wichtiger eine Bank wird, umso mehr Geld muss sie für neue Krisen zurücklegen.

Systemrelevante Banken nutzen dafür ihren Goldschatz im Keller (in Fachkreisen auch „Eigenkapital“ genannt).

Je nachdem wie groß eine Bank ist, muss sie zwischen 1% und 3,5% ihres Goldschatzes für schlimme Zeiten zurückgelegen.

Retten 3,5% mehr auf der hohen Kante eine Bank wenn die Weltwirtschaft untergeht? 3,75% wären wahrscheinlich besser gewesen. 😉 (Ironie)

Welche Bank systemrelevant ist, entscheidet ein Ältestenrat


Wer entscheidet, welche Bank toll und wichtig ist und welche nicht? Müssen sich die Banken bewerben und werden beim Casting aussortiert? Wer kriegt ein Foto und ist in der nächsten Runde? Gibt es ein Vorsingen?

In der Finanzbranche läuft die Wahl zur systemrelevanten Bank viel langweiliger ab als bei RTL oder ProSieben.

Keine Fotos. Kein Vorsingen. Kein Casting. 🙁

Bei den Banken legt ein Rat aus alten Männern fest, welche Bank systemrelevant ist und welche nicht


Du kennst diese „Experten“ bestimmt. Das sind die selben, die gemeint haben, dass es nie eine Finanzkrise geben wird.

Man nennt sie in Fachkreisen auch den „Finanzstabilitätsrat“.

Klingt toll oder? Und wie kann man sich eine Sitzung dieses Rates vorstellen?

Einmal im Jahr gibt es ein großes Lagerfeuer und die Ältesten des Finanzstabilitätsrates kommen zusammen um die Runen zu befragen, welche Bank systemrelevant sein darf und welche nicht. Manchmal wird auch nur gewürfelt… das hängt immer vom Vollmond ab.

Aus ihrem letzten Treffen habe ich dir weiter unten die fünf größten Banken der Welt herausgesucht.

Du wirst auch einen altbekannten Freund, die Deutsche Bank, entdecken. Wie man es bei so vielen Gerichtsverhandlungen noch schafft eine der größten Banken der Welt zu bleiben steht aber auf einem anderen Blatt. 😉

Die fünf größten systemrelevanten Banken der Welt


Und hier sind sie nun… die großen, systemrelevanten Stars der Finanzwelt:

  • Citigroup – Vereinigte Staaten
  • JP Morgan Chase – Vereinigte Staaten
  • Bank of America – Vereinigte Staaten
  • BNP Paribas – Frankreich
  • Deutsche Bank – Deutschland

Was denkst du?


Wie groß dürfen Banken werden? Kann man sie „fallen lassen“ auch wenn sie systemrelevant sind? Ist das Risiko nicht zu groß? Was meinst du?

Lass dir nichts erzählen!
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2 Kommentare
  • denkfabrik
    20 Januar, 2017

    Hey Sascha,

    die Geschäfte im Interbankensystem sind ein Problem. Da werden Pakete hin und her geschoben und am Ende weiß keiner mehr was drinnen ist. Dadurch sind die Banken untereinander verschuldet und können natürlich nicht mehr aufgegeben werden, weil sich alles untereinander multipliziert. Interessant wäre vielleicht wieder sowas wie ein Glass-Steagal Act, der Geschäfts- und Investmentbanken trennt.

    LG
    Johannes

  • Pascal
    22 Januar, 2017

    Hi Sascha,

    mein neues Karriereziel heißt: Systemrelevant werden. Sobald ich das erreicht habe, bin ich unantastbar. Too big to fail halt. Finanzielle Freiheit brauche ich dann eigentlich gar nicht mehr, schließlich kann ich dann machen was ich will und zur Not stehen andere dafür gerade. Bei Starbuchs zahle ich meinen Vanilla Latte nicht mehr, sondern gebe der hübschen Barista bekannt, dass der Herr in der Schlange hinter mir meine Rechnung begleichen wird. Weigert er sich, so verweise ich auf meine Systemrelevanz. Wenn er meinen Kaffee also nicht bezahlt, gibt es bald für niemanden Kaffee mehr – das kann er nun wirklich nicht verantworten!
    Meinetwegen verpflichte ich mich da auch gerne zu einer 5%igen Eigenkapitalquote, was soll der Geiz?

    Beste Grüße
    Pascal

    Was denkst du?

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