Der Märchenletter

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Geheimnis gelüftet: Wie funktioniert eine Kreditkarte?

Endlich geschafft! Wieder den billigsten Flug im Internet gefunden. Die drei Stunden Suche bei sieben Vergleichsportalen haben sich dieses Mal wirklich für dich gelohnt. Aber was ist das? 4,90 EUR extra für die Kreditkartenzahlung? Dann buchst du doch das Bahnticket. Das war immer kostenlos. Da kann jetzt aber wirklich nichts mehr schief gehen. Spätestens wenn du gleich die Gebühr für die Kreditkartenzahlung auf der Bahn-Seite entdeckst, gehst du durch die Decke. Wenigstens weißt du jetzt, dass die Kreditkarte nicht immer das beste Zahlungsmittel im Internet ist.

Ein Märchen um die Kreditkartenzahlung


Es war einmal vor langer Zeit in einem unbekannten Land… nennen wir es „Zahlungsverkehrsland“.

Zwei Königreiche genannt „Visa“ und „Mastercard“ teilten das Zahlungsverkehrsland unter sich auf. Krieg zwischen den Königreichen gab es nie. Es war genug Land da, dass man sich teilen konnte.

Ab und zu sorgten ein paar EC-Karten-Barbarendörfer für einen Aufstand, der jedoch immer sofort niedergeschlagen wurde.

Das Besondere im Zahlungsverkehrsland war, dass niemand Bargeld kannte.

Jeder Untertan bezahlte seine Einkäufe ausschließlich mit Kreditkarte. (Parallelen zu den heutigen USA sind rein deiner Fantasie geschuldet) 🙂

So mächtig Visa und Mastercard jedoch auch waren, sie konnten das riesige Zahlungsverkehrsland nicht allein regieren. Sie brauchten Könige, die für Ruhe in den weiten Regionen des Landes sorgten.

Heute auch bekannt als „Banken“.

Die Banken trugen Sorge, dass jeder Untertan im Zahlungsverkehrsland immer weiter fleißig mit seiner Kreditkarte zahlte.

Eine Kreditkartenzahlung war gern gesehen, aber teuer


Die Kreditkarte war im Zahlungsverkehrsland sehr beliebt.

Das hatte einen ganz einfachen Grund: Die Banken garantierten dem Händler, dass er immer den vollen Preis seiner verkauften Waren erhielt. Ganz egal ob der Untertan die Taler tatsächlich besaß oder gar nicht hatte.

Sollte der Untertan mit der Kreditkarte zahlen und gar keine Goldtaler haben, wurde er direkt von den Banken in den königlichen Kerker gesteckt und gefoltert bis er die Kohle herausrückte. (Parallelen zu den heutigen USA sind wieder rein deiner Fantasie geschuldet) Aber selbst in diesem schrecklichen Fall erhielt der Händler die Goldtaler von den Banken.

Dafür, dass die Banken dem Händler seine Goldtaler garantierten, wollten sie aber eine Gegenleistung haben. Ja, richtig gehört. Banken machen nichts umsonst. (Ironie) 🙂

Der Händler fand das fair.

Immerhin bekam er ja eine Zahlungsgarantie für den Einkauf des Untertans. Er erklärte sich bereit, zukünftig 1,5% des Einkaufsbetrages an die Banken für die Garantie zu zahlen.

Die Kosten einer Kreditkartenzahlung gab der Händler weiter


Da das Zahlungsverkehrsland nicht die DDR war und der Händler nicht nur soziale Ziele verfolgte, ärgerte er sich, dass er etwas von seinem Stück des Kuchens an die Banken abgeben musste.

Die Garantie war toll, aber weniger Gewinn wollte er dadurch auch nicht haben.

Kurzerhand machte der Händler seine Waren einfach 1,5% teurer. Schlau!

So zahlte der arme Untertan nicht nur für seine Kreditkarte und die Waren die er damit kaufte. Er durfte jetzt auch noch die Goldbeutel der Banken beim Zahlen mit seiner Kreditkarte füllen.

Das hatten die Banken jedoch auch bitter nötig. Immerhin brauchten sie dringend mehr Gold um neue Schatzkammern für die ganze Kohle zu bauen.

Die Garantie ist das Herzstück der Kreditkartenzahlung


Auch heutzutage bekommt der Händler bei einer Kreditkartenzahlung das Geld sofort von deiner Bank.

Egal was passiert – ob du das Geld bei einer Kreditkartenzahlung auf dem Konto hast oder nicht – der Händler kriegt das Geld in jedem Fall.

Diese Garantie ist das Besondere an einer Kreditkarte und der Grund warum der Händler schon sabbert wenn er „Kreditkartenzahlung“ nur hört.

Für diese Garantie gibt der Händler deiner Bank einen kleinen Prozentsatz vom Verkaufsbetrag, meist ca 1,5%. Das läuft alles vollautomatisch und ohne dein Wissen ab.

In Fachkreisen nennt man diese Gebühr auch „Interchange Fee“.

Um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben, gibt der Händler die Gebühr an den Kunden weiter und erhöht die Verkaufspreise.

Verständlich, denn er will wegen der Garantie ja nicht weniger an seinen Waren verdienen.

Der EU waren die Gebühren für Kreditkartenzahlungen zu hoch


Die Mühlen der Bürokratie mahlen gaaanz langsam.

Dass Banken, Visa und Mastercard die Gebühren für eine Kreditkartenzahlung über Jahrzehnte ganz allein festlegten, passte der EU plötzlich nicht mehr.

Ende 2015 kam es zu einer Untersuchung in der die EU der Finanzbranche vorwarf für Kreditkartenzahlungen über Jahre hinweg zu hohe Gebühren genommen zu haben. Überraschung!

Es wurde beschlossen, dass:

die Banken für Kreditkartenzahlungen zukünftig nicht mehr 1,5% vom Umsatz des Kunden erhalten, sondern nur noch 0,3%.

Stellt dir vor, wie lang die Gesichter in den Banken gewesen sein müssen, als diese frohe Kunde eintraf. 🙂

Die EU hatte ein ehrenwertes Ziel: Sie wollte die Kunden beim Zahlen mit ihrer Kreditkarte entlasten. Man hoffte, dass die Händler den Vorteil geringerer Gebühren direkt an den Kunden weitergeben würden. (Das gesparte Geld hättest du gut investieren können.)

So sehr man in Brüssel auch die Daumen drückte, die Hoffnung der EU wurde leider nicht erfüllt.

Noch immer zahlst du deine Gebühren für Kreditkartenzahlungen bei Bahn und Co.

Trotz EU-Regulierung sind die Kosten weiterhin hoch aber du kannst sie umgehen


Du weißt jetzt, warum eine Kreditkartenzahlung etwas kostet, wer daran mitverdient und warum sie bei vielen Händlern beliebt ist. Du weißt auch, dass du gegen diese Gebühren nichts machen kannst.

Trotzdem bist du der Gebühr für eine Kreditkartenzahlung nicht ausgeliefert, denn du hast einen großen Vorteil auf deiner Seite:

Das deutsche Verbraucherrecht schreibt vor, dass „mindestens eine gängige und zumutbare Zahlungsart beim Zahlen im Internet kostenlos angeboten werden muss“.

Viele Händler bieten daher zusätzlich NachnameVorkasse oder Sofortüberweisung als kostenlose Zahlungsmethode an.

Dass sie eine kostenlose Zahlungsart als Alternative zur lukrativen Kreditkartenzahlung anbieten müssen, gefällt manchen Händlern nicht.

Einige schlaue Händler versuchen, dir die Kreditkartenzahlung weiter schmackhaft zu machen. Vielleicht wird sie prominent auf der Zahlungsseite präsentiert oder dir bereits als „beste“ Zahlungsmethode vorgeschlagen.

Fall nicht auf diese Märchen herein und halte Ausschau nach den kostenlosen Bezahlmethoden. Du weißt es jetzt schließlich besser.

Was denkst du?


Was hälst du von den Gebühren einer Kreditkartenzahlung? Ärgerlich oder? Vielleicht sind sie aber auf der anderen Seite auch gerechtfertigt. Immerhin gibt die Bank ja eine Garantie an den Händler, ohne das sie weiß ob sie das Geld jemals vom Kunden wiedersieht. Was denkst du?

 

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4 Kommentare
  • Hendrik
    28 November, 2016

    Leider nicht ganz richtig. Die 0,3% Gebühr zahlt nicht der Händler. Das zahlt die Bank an zB Mastercard. Auf deutsch heißt das Interbankenentgelt.

    Der Händler muss noch den sog. Netzbetreiber (zB Telecash) zahlen. Effektiv liegen Händler bei Debit bei 0,5% plus 3-10c/Tx und bei KK bei knapp 1% plus 3-10c/Tx

  • Bankenmärchen
    30 November, 2016

    Danke für deine Antwort! Auch wenn du mich schockierst, dass ich falsch liegen könnte! 🙂 Aber es ist ja vielmehr so, dass der Händler an seine Händlerbank ein Disagio zahlt. Ein Teil dieses Disagios wird in Form der Interchange an die kartenausgebende Bank weitergegeben. Um das Märchen einfach zu halten, habe ich auf die Beziehung Händler-Händlerbank verzichtet. 😉

  • freaky finance
    19 Januar, 2017

    „In aller Regel werden beim Zahlen im Internet Nachname, Vorkasse oder Sofortüberweisung kostenlos als gängige und zumutbare Zahlungsarten angeboten.“

    Geile Pointe (wahrscheinlich ungewollt!?).
    Einfach mit seinem (Nach)namen zu zahlen wäre sicher bei vielen „Konsummonstern“ eine willkommene Lösung!
    Kostenlos und zumutbar wäre es auf jeden Fall. Bei „gängig“ wäre ich mir nicht so sicher. Du kannst ja mal eine Liste der Akzeptanzstellen posten. Das wäre dann tatsächlich ein (Banken)märchen.
    Gleichzeitig ginge das ja quasi „back to the roots“. War der Werbeslogan von American Express (passend zum Thema ein Kreditkartenanbieter) nicht jahrelang: „Bezahlen Sie einfach mit Ihrem guten Namen“?
    Ok, ist schon ein paar Jahre her. Aber passt so herrlich…

    Beste Grüße
    Vincent (Nachname verate ich nicht; ist aber leicht rauszukriegen. Und meinen bitte nicht für eigene Zahlungen verwenden!)

    • Bankenmärchen
      19 Januar, 2017

      Man ist das lange her!!! „Bezahlen Sie einfach mit Ihrem guten Namen“… Das rückt die Zahlung per Nachname in das richtige Licht! 😉

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