Der Märchenletter

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Bankenmärchen der Woche KW50/2016

Die Highlights der Bankenwelt in der letzten Woche: Es war einmal… Im Keller der Unicredit stapeln sich die Altlasten und faulen Kredite. Und: Die Fed dreht an der Zinsschraube! Dreht sie auch die europäische gleich mit?

Unicredit und ihre Altlasten – täglich grüßt das Murmeltier!

„UniCredit tritt die Flucht nach vorn an“ Gelesen bei den Kollegen von diepresse.com.

…Die größte Bank Italiens holt sich 13 Mrd. Euro an zusätzlichem Kapital von Aktionären, um ihre Altlasten an faulen Krediten loszuwerden und sich wieder eine solide Kostenbasis zu verschaffen…

…Aber es ist beileibe nicht das erste Mal. Schon des Öfteren seit der Finanzkrise hat ein Chef des einzigen italienischen Instituts, das global systemrelevant ist, den definitiven Befreiungsschlag versprochen…

…In Summe lauern 54 Mrd. an faulen Krediten in der Bilanz; ihr Anteil ist, mit 15 Prozent, dreimal so hoch wie der europäische Schnitt…

Was heißt das?

  1. Kein normaler Mensch versteht, warum die Banken es einfach nicht schaffen ihre „faulen Kredite“ oder „Altlasten“ los zu werden. Gefühlt gab es mit dem ersten Tag der Finanzkrise Altlasten. Was sind überhaupt „Altlasten“? Offensichtlich sind die schlimmer als Hausstaub. Jedes Mal wenn du sie wegsaugst, sind sie am nächsten Tag wieder da. Nun ja, „faule Kredite“ sind nicht gleich „faule Kredit“. „Faule Kredite“ der Finanzkrise bezogen sich auf ausgefallene Immobilienkredit (Wort des Jahres 2007: „Subprime“). Die vergammelten Kredite die bei der Unicredit jetzt die Köpfe zum Rauchen bringen, sind hauptsächlich Kredite, die an den italienischen Mittelstand ausgegeben wurden und nun drohen auszufallen. Warum? Weil die italienische Wirtschaft nicht so richtig aus dem Tee kommen will und der Handwerker an der Ecke aufgrund der schlechten Auftragslage Probleme hat seine Kreditraten pünktlich zu bezahlen.
  2. 54 (!) Mrd. EUR von diesen Schrott-Krediten hat die Unicredit fleißig in ihrer Bilanz gesammelt. 54 Mrd. EUR könnten sich also im schlimmsten Fall in Luft auflösen. Puh, das war ne Menge Arbeit so viel wertloses Zeug anzusammeln. Aber man kennt das ja… Alles was du nicht brauchst, packst du in den Keller. Immer wieder und immer wieder. Die Unicredit stopfte ihren Keller wohl fleißig mit fragwürdigen Krediten voll. Offensichtlich ging wohl nun aber die Kellertür nicht mehr zu…
  3. Verwunderlich ist leider nur, dass sich die Geschichte immer und immer wieder zu wiederholen scheint. Fast jährlich lesen wir im Handelsblatt, dass ein neuer Chef ans Ruder einer bekannten Großbank kommt und das Steuer bei voller Fahrt rumreißt. Jetzt wird alles besser! Jetzt räumt endlich einer auf! Merkwürdig bloß, dass nach 6 Monaten wieder der erste Skandal in den Abendnachrichten zu sehen ist.

Achtung die Zinswelle kommt – oder doch nicht?

„Zinswende auch in Europa?“ Gelesen bei den Kollegen von der Tagesschau.

…Seit dem Tiefstand 2015 hat die Fed ihren Leitzins, zu dem sich Banken kurzfristig Geld bei ihr leihen können, bereits zwei Mal auf momentan 0,25 bis 0,5 Prozent erhöht…

…die Inflationserwartungen in Europa viel niedriger sind als in den USA…

…Im Moment spricht sehr wenig für eine rasche Zinswende in Europa – zumal die EZB den Leitzins nach Meinung der meisten Ökonomen frühestens 2018 anheben dürfte…

Was heißt das?

  1. WOW! 0,25% Zinserhöhung. Achtung… das Tagesgeldkonto könnte im Zuge dieser Zinserhöhung überlaufen. Aber halt! Das war ja die Zinserhöhung der Fed, nicht der EZB. Dann ist ja alles gut. Bei 0% in Europa brauch man sich auch keine Sorgen über ausufernde Kontosalden machen. Auch wenn du mittlerweile an jeder Ecke das Wort „Zinserhöhung“ hörst, muss ich deine Hoffnung auf weitere Zinskrümel in Deutschland dämpfen. Die Zinserhöhung in den USA hat leider nur sehr wenig Einfluss auf die Zinsen in Europa.
  2. Aber warum eigentlich? Wenn die EZB ihren Zins festlegt, überprüft sie welche Inflationserwartung vorherrscht. Da man hierzulande nur eine sehr geringe Preissteigerung erwartet, meidet man in der EZB das Wort „Zinserhöhung“ wie der Teufel das Weihwasser. Das oberste Ziel der EZB ist und bleibt die Inflation stabil bei nahe 2% zu halten. So sehr wir uns freuen, dass die Amerikaner eine höhere Inflationserwartung haben als wir… so traurig schauen wir auf unsere 4 Cent Zinsen, die wir dieses Quartal wieder auf unserem Tagesgeldkonto bekommen haben.
  3. Solange die EZB ihr Ziel nicht erreicht, flutet sie den Markt weiter knöcheltief mit Geld. Kannst du dir billig Geld leihen, bist du ja auch eher geneigt Geld auszugeben. Gibst du Geld aus, freut sich die Wirtschaft. Freut sich die Wirtschaft, wächst sie. Und wenn die Wirtschaft wächst, wird alles teurer. Und erst dann wird man das Wort „Zinserhöhung“ in der EZB wieder in den Mund nehmen dürfen ohne gleich gekündigt zu werden. Ein laaanger Weg also, den wir wahrscheinlich noch bis 2018 gehen müssen.
Lass dir nichts erzählen!
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1 Kommentar
  • Thomas von Divdepot
    18 Dezember, 2016

    Hallo,
    Ja die Probleme werden auch weiter bestehen bleiben – denke ich. Der Grund ist für mich auch, dass viele Inländer Kredite laufen haben & die kann man nicht plötzlich z.B. durch eine Pleite in Rauch auflösen lassen. Das würde in Italien zu einer Krise führen…und so hoffen Sie noch immer das die EU / EZB klein bei gibt damit der Staat retten kann… Wer soll auch 13 Mrd. in so eine Bank stecken?

    Was denkst du?

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