Der Märchenletter

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Ein Wiedersehen mit der Finanzkrise

In der letzten Woche dieses Jahres werden noch einmal alte Erinnerungen an die liebe Finanzkrise wach. Die jahrelang verhandelte EU-Abwicklungsrichtlinie gilt bei ihrem ersten Anwendungsfall in Italien nicht mehr. Aber kurz vor Jahresschluss gibt es auch noch positive Nachrichten. Die Deutsche Bank hat endlich einen Vergleich in den USA wegen ihrer fragwürdigen Hypothekengeschäfte schließen können. Dieses Mal kommt sie mit stümperhaften 7,2 Mrd. USD Strafe davon!

Die Finanzkrise – der verloren geglaubte Sohn kehrt zurück.

„Jetzt darf keine Bank jemals mehr pleite gehen“ Gelesen bei den Kollegen der Süddeutsche Zeitung.

Um was geht es?

„Die EU-Kommission hat am Donnerstagabend staatliche Hilfsgelder für die italienischen Banken genehmigt.“

„Seit einem Jahr ist die dazu geschaffene EU-Abwicklungsrichtlinie in Kraft.“

„…dringt die römische Regierung auch mit Blick auf die nächste Wahl auf eine Ausnahme von der europäischen Regel.“

Was heißt das?

  1. Tjaja… Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie die Stimmung nach der letzten Finanzkrise war. Die Banken kamen direkt aus der Hölle und sollte auch wieder schnell dahin zurück verschwinden. Das ganze Schlamassel war Schuld der Banken und jeder fühlte sich persönlich beraubt, als die großen Kreditinstitute quer über den Globus gerettet werden mussten. Nie wieder sollte es dazu kommen, dass eine Bank durch eigenes Verschulden mit Steuergeld gerettet werden muss.
  2. Dieser Zorn galt bis zum heutigen Tag. Denn heute wird tatsächlich wieder eine Bank, deren Schieflage ganz allein sie zu verschulden hat, gerettet. Aber dieses Mal ist alles anders. Dieses Mal wird keine global verzweigte Großbank gerettet. Nein. Dieses Mal wird die älteste Bank der Welt, Monte dei Paschi, aus dem ländlichen Siena gerettet. Dabei waren sich doch alle EU-Beamte so einig, dass die nach der Finanzkrise geschaffene EU-Abwicklungsrichtlinie für alle Banken gilt – ganz egal was jemals passiert.
  3. Gleich beim ersten Einsatz der Richtlinie wird sie außer Kraft gesetzt! Warum? Weil man in Italien vor der anstehenden Wahl keine Enteignung der Kleinanleger provozieren will. Die EU-Abwicklungsrichtlinie besagt nämlich, dass vor dem staatlichen Eingriff zunächst die Eigentümer und Gläubiger aushelfen müssen. Im Falle der Monte dei Paschi wären dies aber nun hauptsächlich kleine italienische Haushalte gewesen, die sich nun inmitten einer neuen Finanzkrise wiedergefunden hätten. Das bewegte die amtierende Regierung dazu bei der EU eine Ausnahmeregelung zu erbetteln. Obwohl Monte dei Paschi nach neuesten Gerüchten… sorry… Meldungen nur 6,6 Mrd. Euro benötigt um zu überleben, sicherte man sich gleich mal vorsorglich 20 Mrd. für mögliche weitere Rettungsaktionen. So viel Voraussicht hätte man den italienischen Bankensystem gar nicht mehr zugetraut?

Die Deutsche Bank atmet auf – oder ist das ein Husten?

„Anleger kaufen wieder Deutsche-Bank-Aktien“ Gelesen bei den Kollegen der FAZ.

Um was geht es?

„Die Deutsche Bank kommt im Streit um dubiose Hypothekengeschäfte in den Vereinigten Staaten mit einem blauen Auge davon.“

„Der Finanzkonzern zahlt 3,1 Milliarden Dollar (2,96 Milliarden Euro) an Zivilbuße. Hinzu kommen, über mehrere Jahre gestreckt, 4,1 Milliarden Dollar…“

„Ursprünglich hatte eine Strafe von 14 Milliarden Dollar gedroht.“

Was heißt das?

  1. Wow! Nur 7,2 Mrd. USD Strafe für die Deutsche Bank! Beinahe wäre das zu unbedeutend für das Bankenmärchen der Woche gewesen. Aufregend aber war vielmehr die Geschichte hinter der Strafe, als der Kleckerbetrag an sich. Die Deutsche Bank bekam vor einigen Monaten zunächst eine saftige Rechnung über 14 Mrd. USD von der amerikanischen Regierung. Warum? Weil sie mal wieder ihre kleinen Fingerchen in Sachen gesteckt hat, die sie eigentlich gar nichts angehen sollten. Sie rührte nämlich ganz kräftig im amerikanischen Hypothekengeschäft mit rum und wandte zu Hochzeiten der Finanzkrise offensichtlich ein paar dubiose Praktiken an um wenigstens ein paar Dollar ihrer getätigten Investitionen aus dem amerikanischen Häusermarkt wiederzusehen.
  2. Aber was genau lief da dubioses ab? Nachdem es am amerikanischen Häusermarkt 2007 zu brodeln begann, versicherte die Deutsche Bank ihren Kunden weiterhin, dass die Schrott-Hypotheken nach wie vor absolut sicher seien. Reihenweise verkaufte die Bank noch immer ausfallgefährdete Wertpapiere, obwohl diese längst wertlos waren. Intern rechnete die Deutsche Bank bereits mit dem kompletten Ausfall der Hypotheken, während sie nach Außen lächelnd weiter ahnungslose Kunden bediente.
  3. Das Verrückte ist, dass die nun fälligen 7,2 Mrd USD Strafe noch positiv von den Aktionären der Deutschen Bank aufgegriffen werden. Eben weil nicht die ursprünglich veranschlagten 14 Mrd. USD fällig werden. Auf dieses Verhandlungsergebnis kann die Deutsche Bank tatsächlich stolz sein – auf die Praktiken in der Finanzkrise wohl eher nicht!
Lass dir nichts erzählen!
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1 Kommentar
  • Pascal
    2 Januar, 2017

    7,2 Mrd. € – Das sind doch nun wirklich „Peanuts“, wie der einstige Patriarch der deutschen Bankenszene, Herr Ackermann, zu sagen pflegte 😉
    Beste Grüße
    Pascal

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