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Monte dei Paschi: Warum in Italien gerade nur die Pizzen überzeugen können

Hörst du „Monte dei Paschi“ zum ersten Mal, möchtest du direkt „Gesundheit“ sagen. „Monte dei Paschi“ ist keine Krankheit. Es ist eine Bank. Und dieser Bank geht es gar nicht gut. Da ist eine ordentliche Grippe in Anmarsch. Kein Wunder, wird doch Monte dei Paschi als möglicher Auslöser gesehen, der das weltweite Finanzsystem wieder einmal an den Rand des Abgrunds führen könnte. Aber was genau läuft da schief in der Toskana? Und warum zur Hölle reden hier alle schon wieder von faulen Krediten? Die Finanzkrise ist doch vorbei, dachtest du?! Leider nicht so ganz. In diesem italienischen Märchen klären wir deine Fragen und machen die Toskana-Rundreise mal auf eine etwas andere Art und Weise.

Monte dei Paschi macht keine Pizzen

… und auch keine Nudeln. Bei Monte dei Paschi reden wir über eine italienische Bank… und zwar nicht irgendeine. Monte dei Paschi ist die älteste Bank der Welt und wurde 1472 in Sienna (Toskana) gegründet.

Wie die guten alten Römer auch, wollte Monte dei Paschi im Laufe der Zeit über die Hügel der Toskana wachsen. So wurde sie schließlich zu drittgrößten Bank Italiens mit 25.000 Mitarbeitern und mischt inzwischen auch bei Finanztransaktionen rund um den Globus kräftig mit.

Mit einer Bilanzsumme von 183 Mrd. EUR ist sie dabei gar nicht mal sooo klein. Zum Vergleich: Die Commerzbank bringt 533 Mrd. EUR auf die Waage. Kein Schwergewicht… aber es reicht für die Abendnachrichten. 🙂

Hätten sie mal lieber Pizza anstatt Kredite gemacht

Die ganze Misere fing im Sommer 2016 an, als die EU auf die nervige Idee kam, sich die Bilanz der Monte dei Paschi mal genauer anzuschauen. Griechenland war gerettet und man hatte ja jetzt wieder viel Zeit in der EU um anderen Banken auf den Keks zu gehen. Und siehe da… prompt fanden die Prüfer auch was worüber sie meckern konnten. Monte dei Paschi sollte bis Ende des Jahres 2016 5 Mrd. EUR frisches Kapital auftreiben. Warum? Weil von den 110 Mrd. EUR Kreditvolumen in ihren Büchern nach dem kritischen Blick der Prüfer mindestens 47 Mrd. EUR ausfallgefährdet waren. Und bei der Zahl hatten die Prüfer bereits beide Augen zugedrückt und erst wieder aufgemacht als sie zurück in Brüssel waren. 😀 Wow… 47 Mrd… 😯 das muss man erstmal schaffen! Aber das kann schon mal passieren. Immerhin ist die letzte Finanzkrise ja auch schon knappe 10 Jahre her und die Gedächtnislücken wachsen von Jahr zu Jahr.  😀

Das Problem mit den 5 Mrd. EUR ist aber, dass man sich bisher immer auf den Staat verlassen konnte, wenn man neues Geld gebraucht hat. Das funktioniert seit Anfang des Jahres aber nicht mehr. Jetzt muss die Bank zuerst bei privaten Investoren anklopfen, bevor man die Frau des Cousins der Mutter von einem Nachbarn anruft, die zufälligerweise eine hohe Beamtin im Finanzministerium ist und den Schlüssel für den Tresor hat. Aber: wer möchte schon einer Bank mit einer Zahnlücke… äh Kapitallücke i.H.v. 5 Mrd. EUR Geld leihen? Sofern du das Geld wiedersehen möchtest, wirst du es wahrscheinlich nicht tun. Und so tat es auch kein anderer. Bis heute sucht Monte dei Paschi mehr als 4 Mrd. EUR. Zuletzt sprach man sogar bei der Europäischen Bankenaufsicht direkt vor um eine Fristverlängerung für die Kapitalbeschaffung zu erbetteln… äh zu erbitten. Aber die Bankenaufsicht sagte „No“ und schickte die Kollegen zurück ans Reißbrett. Das Problem nur: Keiner weiß woher das Geld kommen soll. Ob die Zeit auch hier alle Wunden heilt? Ich glaube es nicht…  😀

Faule Kredite? Finanzkrise? Ich dachte das wär Geschichte!

Man mag sich fragen, wo 47 Mrd. EUR über Nacht an faulen Krediten herkommen. Auch wenn man sich das bei Monte dei Paschi wünscht, ist man mit den Kram in der Bilanz nicht am nächsten Morgen nach einer durchzechten Nacht aufgewacht. Das Problem köchert schon eine Weile in den toskanischen Töpfen. Begonnen hat alles im Jahr 2007 (Ja richtig, das Jahr als die Finanzkrise begann) als das Management der Monte dei Paschi die Chance zum Wachstum gekommen (Was für ein grandioses Timing :-o) sah und sich mit der Übernahme einer konkurrierenden Bank („Banca Antonveneta“) verkalkulierte. Verkalkuliert in dem Sinn, als das man 2 Mrd. EUR mehr geboten hat als der nächstbietende… man wollte wohl auf Nummer sicher gehen!  😉

Nachdem Monte dei Paschi in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden musste, zeigte man sich reuig. Das alte Geschäftsmodel funktionierte wohl offensichtlich nicht mehr. Es musste ein neues her! Man fokussierte sich fortan auf den Mittelstand und gab in dem festen Glaube an die italienische Wirtschaft fleißig stink normale Kredite aus. In Anbetracht des eher „zurückhaltenden“ Wachstum der Italienischen Wirtschaft erwies sich diese Strategie abermals als… na sagen wir „verbesserungsfähig“. Die ausgereichten Kredite konnten reihenweise nicht zurückgezahlt werden, faulen nun vor sich hin und lockten gleichzeitig die Prüfer der Europäischen Bankenaufsicht an wie der Speck die Mäuse.

Italien ist besonders!

Eine große Besonderheit haben wir bisher ausgelassen! Wie in Deutschland jeder gute Haushalt ein Sparbuch besitzt, so gehört es in Italien zum guten Brauch eine Nachranganleihe zu besitzen. Was eine Nachranganleihe ist? Nun, man leiht sein Geld z.B. für einen wahnsinns Zins an seine (italienische) Bank und ist gleichzeitig der Dumme, wenn es mal stürmt am Finanzmarkt. Dann ist man als stolzer Besitzer einer Nachranganleihe nämlich der erste, der seinem Geld nachwinken kann. 

Mehr als 60 Mrd. EUR besitzen die Italiener an eigenen Schulden ihrer Kreditinstitute. Wie es dazu kommen konnte? Man munkelt, dass italienische Banken ihre Anleihen auf Gedeih und Verderb in den Markt drücken wollten um zu wachsen. Teilweise hat man als Bankkunde nur einen Kredit bekommen, wenn man auch gleich eine Nachranganleihe erworben hat. Wenn das kein Bankenmärchen ist!

Was passiert jetzt?

Monte dei Paschi ist nur das prominenteste Beispiel der kriselnden italienischen Banken. Großbanken wie die Unicredit leiden unter ähnlichen Problemen. Diese verkaufte gerade ihr Tafelsilber um die größten Lücken aufzufüllen. Im Falle der Monte dei Paschi dürfte das etwas schwieriger werden, da man bereits nur noch mit Holzbesteckt speist. 😀  Sofern die Europäische Bankenaufsicht keinen Anfall von Mitleid verspürt, bleibt wohl nur noch die Rettung durch den Staat oder das Heranziehen der privaten Investoren. Wa für ein unglaubliches Bankenmärchen…

Lass dir nichts erzählen!
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2 Kommentare
  • Eva
    23 Januar, 2017

    Fliegt uns diese Bank 2017 um die Ohren ?

    • Bankenmärchen
      24 Januar, 2017

      Italienische Banken sind Perfektionisten in der Salamischeibentaktik. 🙂 Was da wohl noch so alles für Gefahren lauern? Man weiß es nicht! Diese eine Bank kann problemlos aufgefangen werden. Aber fraglich, ob auch die anderen Banken im Falle eines Falles aufgefangen werden können.

    Was denkst du?

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