Der Märchenletter

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Ein Herz für Monte dei Paschi

Diese Woche stand im Zeichen der italienischen Banken. Das Highlight war mal wieder die älteste Bank der Welt Monte dei Paschi und ihre einzigartige Salamischeibentaktik. Aber auch die Bundesregierung war in der Woche vor Weihnachten nicht untätig und erlaubt künftig eine Immobilienfinanzierung nur noch wenn man seine Schulden vor dem Ableben zurückzahlen kann.

Gewitter in der Toskana – Monte dei Paschi am Abgrund.

„Monte dei Paschi schafft es nicht allein“ Gelesen bei den Kollegen von boerse.ARD.

„Es geht um insgesamt fünf Milliarden Euro: So viel braucht das mehr als 500 Jahre alte italienische Geldhaus, um zu überleben…“

„Als einer der Hauptgeldgeber galt dabei der Staatsfonds von Katar, der allein eine Milliarde Euro zur Verfügung stellen wollte. Doch Katar sagte ab…“

„Die Zeit für Monte dei Paschi wird knapp, noch gestern hatte die Traditionsbank gewarnt, dass ihre flüssigen Mittel nur noch vier Monate ausreichen…“

Was heißt das?

  1. Das „Bankenmärchen der Woche“ müsste in diesem Fall umbenannt werden in das „Bankenmärchen des Monats“. Die Überlebensversuche der Monte die Paschi ziehen sich ja nun schon etwas länger hin. Die italienischen Banker haben dabei mittlerweile ihre Salamischeibentaktik perfektioniert. Noch bis vor 2 Tagen war nicht einmal die Rede davon, dass es kurzfristig zu einem totalen Zahlungsausfall kommen könnte. Man hat offensichtlich aber noch einmal genauer nachgerechnet. Neueste Wettervorhersagen schwören ein großes Insolvenz-Gewitter in bereits 4 Monaten voraus. Bis dahin könnte die Bank pleite sein. Bis vor 2 Tagen war es bestenfalls betrübt und nun soll ein Tornado durch die Ortschaft ziehen? Muss wohl am wechselhaften Wetter in der Toskana liegen.
  2. Insgesamt braucht Monte dei Paschi nun also 5 Mrd. Euro. Keine Kleinigkeit. Aber durchaus machbar für eine gesunde Bank. Das Problem: Monte dei Paschi ist alles aber nicht gesund. Es schlummern insgesamt 46 Mrd. Euro faule Kredite im Portfolio (Hintergründe hier). Die hierfür notwendigen zusätzlichen Sicherheiten betragen nun 5 Mrd. Euro, die die Bank irgendwie aufbringen muss.
  3. Was macht man nun, wenn man 5 Mrd. Euro braucht? Man geht in der internationalen Finanznachbarschaft hausieren und bittet höfflich um Geld. Im Fall der Monte dei Paschi hatte (Betonung liegt auf „hatte“) man wohl gute Verbindungen zu Katar, doch auch die wollten leider kein Geld aus dem Fenster werfen und lehnten dankend ab. So zog man nun den letzten verbleibenden Joker aus dem feinen italienischen Zwirn und klopfte in Rom an die Regierungspforte. Ohne eine wirkliche Wahl zu haben, erteilte die italienische Regierung nun eine Zusage die Kosten zu übernehmen wohlwissend, dass bei einem „no“ das europäische Kartenhaus… äh Bankensystem im besten Fall implodiert wäre.

Immobilienfinanzierung mit Grenzen.

„Vergabe von Immobilienkrediten – Regierung bessert Regelung nach“ Gelesen bei den Kollegen vom Handelsblatt.

„Wer voraussichtlich nicht genügend Geld zur Rückzahlung hat oder dies zu Lebzeiten statistisch gesehen nicht mehr schaffen kann, dem dürfen Banken keinen Kredit geben…“

„Die Vergabe von Baufinanzierungen etwa an Ältere und Familien ging seither zurück…“

„Mit diesen „präventiven Vorgaben„ sollten „risikoreiche Finanzierungen“ vermieden werden…“

Was heißt das?

  1. Mittlerweile sind die enorm gestiegenen Immobilienpreise in Deutschland auch bei der Bundesregierung angekommen. Mit größter Wahrscheinlichkeit wunderte man sich, warum die zugezogenen Parlamentarier in Berlin kein Häuschen mehr im feinen Grunewald bezahlen konnten und stattdessen nach Hellersdorf in einen wunderschön sanierten Plattenbau ausweichen mussten. Verärgert über den langen Fahrtweg ins Regierungsviertel nahm man sich offensichtlich nun den Immobilienmarkt mal genauer vor. Man stellte fest, dass nicht nur die Leute Immobilien kauften, die das dafür notwendige Geld hatten, sondern mittlerweile auch die, die es nicht hatten.
  2. Aber wo zur Hölle haben die das Geld dafür her? Ganz einfach: Die EZB hat die Geldschleusen mittlerweile nicht nur bis zum Anschlag geöffnet… Sie hat sie ganz abgebaut. Es ist so viel Geld im Markt, dass die Banken gar nicht mehr wissen wohin mit dem ganzen Zaster. Was tut man also wenn der Keller bis zum Rand mit Asche vollgestopft ist? Man drückt Kredite in den Markt wie den Rest Zahnpasta aus der Tube. Auf der anderen Seite denkt man sich als normaler Mensch: „warum 0,0012% Zinsen auf das Tagesgeld bekommen, wenn ich doch gleich ein Haus kaufen kann“. Das führt nun aber dazu, dass jeder ein Haus haben will und geneigt ist auch mal etwas mehr für die eigenen 4 Wände auszugeben.
  3. Die Bundesregierung will nun diese Leute vor sich selbst schützen und führt gewisse Schranken für die Immobilienfinanzierung ein. „Wer voraussichtlich nicht genügend Geld zur Rückzahlung hat oder dies zu Lebzeiten statistisch gesehen nicht mehr schaffen kann, dem dürfen Banken keinen Kredit geben“. Schade, dann werden es wohl doch nur 6 Schlafzimmer in der Villa!
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